PRESSEMITTEILUNG Nr. 2026 - 387 03.11.2026 Sperrfrist: keine Vortrag über Volksgemeinschaft und Verbrechen im Nationalsozialismus Tuttlingen. Warum unterstützten so viele Deutsche das nationalsozialistische Regime oder nahmen dessen Verbrechen hin? Und warum schwiegen viele nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Spaichinger Journalistin Regina Braungart am Dienstag, 10. November, um 19.00 Uhr im "Felsen". Ihr Vortrag trägt den Titel "Volksgemeinschaft, Opportunismus und Scham - Wie die Deutschen Euthanasie und andere Menschheitsverbrechen zuließen und danach schwiegen". Im Mittelpunkt steht die Frage, weshalb große Teile der deutschen Bevölkerung dem NS-Regime bis zuletzt loyal blieben. Braungart stützt sich dabei auf Forschungen des Historikers und Politikwissenschaftlers Götz Aly. Dieser untersucht neben den ideologischen Grundlagen des Nationalsozialismus auch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorteile, die viele Deutsche aus der NS-Herrschaft zogen. So profitierten Teile der Bevölkerung von der Enteignung und Ausplünderung jüdischer Menschen sowie vom Raub in den besetzten Gebieten. Hinzu kamen soziale Vergünstigungen, Freizeitangebote der NS-Organisation "Kraft durch Freude" und berufliche Aufstiegsmöglichkeiten. Diese Vorteile trugen dazu bei, die Zustimmung zum Regime zu sichern. Gleichzeitig dienten sie dessen Machterhalt und Expansionspolitik. Braungart geht auch der Frage nach, welche Rolle die Mitverantwortung vieler Menschen und die Angst vor den Folgen der nationalsozialistischen Verbrechen spielten. Nach Kriegsende kamen Scham und Verdrängung hinzu. Anhand zahlreicher lokaler Beispiele und eigener Erfahrungen zeigt die Referentin, wie unterschiedlich Menschen in der NS-Zeit handelten und weshalb einfache Einteilungen in Täter und Unbeteiligte oft zu kurz greifen. Der Vortrag soll dazu anregen, historische Zusammenhänge differenziert zu betrachten und das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen. Dabei stellt Braungart, die Vorsitzende der Initiative KZ-Gedenken in Spaichingen ist, auch Bezüge zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen her. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Rittergartenverein statt und ist Teil der Gedenkwoche #tuttlingengedenkt. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Bildunterschrift: Stolpersteine Tuttlingen Bildnachweis: Stadt Tuttlingen Hinweis: Sie können das von uns zur Verfügung gestellte Bildmaterial unter Angabe der Quelle gerne kostenfrei im Zusammenhang mit dieser Pressemitteilung verwenden. Bitte übernehmen Sie das Material jedoch in kein Archiv oder andere dauerhafte Ablage, da darüber hinaus gehende Verwendungszwecke jedes Mal einzeln angefragt und genehmigt werden müssen. - 2 - Stadt Tuttlingen Rathausstraße 1 78647 Tuttlingen www.tuttlingen.de Pressestelle: Arno Specht Tel. 07461 / 99-201 Fax. 07461 / 99-324 arno.specht@tuttlingen.de